Medienqualitätsrating MQR-20: Journalistische Qualität lässt sich messen

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Über den Autor/ die Autorin

Philipp Bachmann

Dr. Philipp Bachmann ist Dozent für Business Communication am Institut für Kommunikation und Marketing IKM der Hochschule Luzern – Wirtschaft.

In der dritten Ausgabe des Medienqualitätsrating MQR wird die Qualität von 49 reichweitenstarken Informationsmedien anhand einer Inhaltsanalyse und repräsentativen Bevölkerungsbefragung gemessen. An der wissenschaftlichen Studie sind neben der Hochschule Luzern auch das Forschungszentrum Öffentlichkeit und Gesellschaft (fög) der Universität Zürich und die Universität Fribourg beteiligt.

Qualitätsjournalismus spielt eine wichtige Rolle für moderne Demokratien. Damit sich Bürgerinnen und Bürger sachgerecht über relevante Themen informieren, diskutieren und Wahlentscheidungen treffen können. Doch wie lässt sich prüfen, ob die Berichterstattung eine gute oder schlechte Qualität hat? Und wie verändert sich die Qualität über die Zeit. Das Medienqualitätsrating MQR-20 bietet hierauf Antworten.

Das Bewusstsein für Medienqualität schärfen

Das Projekt hat zum Ziel, die Bedeutung von hochstehenden Informationsmedien für Demokratie und Gesellschaft über die Medienbranche hinaus zu thematisieren. Auch für die Studierenden an der Hochschule Luzern kann das Medienqualitätsrating eine Orientierungshilfe bieten, welche Informationsmedien eine hohe Qualität aufweisen. Finanziert wird das MQR-20 vom Stifterverein Medienqualität Schweiz, der von mehreren namhaften Donatorinnen und Donatoren unterstützt. Hierzu zählen sowohl Unternehmen als auch Stiftungen.

International einzigartiges Messverfahren

Für das Rating werden zum einen mehr als 18‘000 Texte und Sendungen von 49 Informationsmedien bewertet. Als Grundlage dienen vier aus der Demokratietheorie abgeleitete Dimensionen: Relevanz, Vielfalt, Einordnungsleistung und Professionalität. In der Dimension Relevanz erhalten zum Beispiel Beiträge über Politik und Wirtschaft eine höhere Bewertung als jene über Stars und Sternchen. Journalistische Eigenleistungen werden in der Dimension Professionalität höher bewertet als übernommene Agenturmeldungen.

Zum anderen wird das Publikum mittels repräsentativer Umfrage mit 2’159 Befragten aus der Deutschschweiz und Suisse romande befragt, wie sie die Qualität einzelner Medientitel wahrnehmen. Für die Dimension Relevanz wird unter zum Beispiel gefragt, ob sich ein Medientitel auf wichtige Ereignisse konzentriert, statt zu viel Buntes und Vermischtes zu bringen. Für die Dimension Professionalität wird gefragt, ob die Informationsquellen von Nachrichten transparent gemacht werden. Die Befragten haben zusammen 11’480 Beurteilungen zu einzelnen Medientiteln abgegeben. Die Werte der Inhaltsanalyse und der Qualitätswahrnehmung werden zu gleichen Teilen miteinander verrechnet: Jeder Medientitel erhält zwischen 0 und 100 Qualitätspunkten. Dieser integrierte Ansatz, der Berichterstattungsqualität und Qualitätswahrnehmung berechnet, ist international einzigartig.

Die Resultate von Inhaltsanalyse und Befragung decken sich

In der Bewertung werden vier Mediengruppen mit vergleichbarer publizistischer Ausrichtung unterschieden. In der Gruppe der Radio- und Fernsehsendungen schneidet zum dritten Mal in Folge die Hörsendung «Echo der Zeit» am besten ab. Die gedruckte NZZ führt die Gruppe der Tages- und Onlinezeitungen an, die NZZ am Sonntag ist innerhalb der Sonntagszeitungen und Magazine am besten platziert. Unter den Boulevard- und Pendlerformaten behält lematin.ch seine Spitzenposition bei.

Website des Medienqualitätsratings 2020

Medienqualitätsrating 2020 (als PDF)

Interview mit Philipp Bachmann in News & Stories der Hochschule Luzern


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