Sharing-Mythen: Gerüchte, Widersprüche, Lügen, Missverständnisse zur Sharing Economy

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Über den Autor/ die Autorin

Dominik Georgi

Prof. Dr. Dominik Georgi ist Dozent und Projektleiter am Institut für Kommunikation und Marketing IKM der Hochschule Luzern. Er leitet das Projekt SHARECITY.

Der Hype um Sharing-Economy-Plattformen wie AirBnB und Uber hat rege Diskussionen darüber entfacht, ob Sharing (Economy) «gut» oder «böse» ist. Dabei erfolgt die Diskussion auf unterschiedlichen Ebenen. Diese können in folgenden Sharing-Mythen oder Sharing-Widersprüchen zusammengefasst werden:

«Sharing Economy ist etwas Neues»

Der Hype um AirBnB und Uber lässt den Eindruck entstehen, dass Sharing (Economy) eine neuartige Entwicklung ist. Es ist zwar so, dass die Vernetzung im Internet Anbieter und Nachfrager leichter zusammenbringen kann, als dies ohne diese Vernetzung möglich gewesen wäre. Allerdings existieren Sharing-Ansätze schon seit jeher, wie man an den Beispielen Bibliotheken, WGs, Öffentlicher Verkehr oder Nachhilfeunterricht sieht.

«Meins ist deins vs. Deins ist meins»

Eine Grundidee beim Sharing ist, dass Individuen (oder Organisationen) «Ressourcen» im weitesten Sinne, die sie phasenweise nicht benötigen, anderen zur Verfügung stellen. Dies kann die Wohnung sein, die während der eigenen Ferienreise nicht benötigt wird – oder das Auto, das unter der Woche nicht bewegt wird, oder die Bohrmaschine, die nur zweimal im Jahr benutzt wird. Dieses Verhalten wird als «Meins ist dein» gekennzeichnet.

Kritiker der Sharing Economy drehen dies um in «Deins in meins». Damit wird auf Sharing-Plattformen und Sharing-Anbieter angespielt, die davon finanziell profitieren, dass andere die Sharing-Objekte gegen Entgelt nutzen. Im Extremfall wird argumentiert, dass Nachbarschafts- oder Freundschaftsdienste, die «früher» selbstverständlich waren, in der Sharing Economy nur gegen Gebühr angeboten würden. Weitergehend wird sogar argumentiert, dass Sharing und Economy gar nicht zusammenpassen, dass, sobald man für das Teilen Geld entgegennimmt, nicht mehr von Teilen gesprochen werden kann. Nach dieser Argumentation sind nur Sharing-Ansätze wie Couchsurfing, die unentgeltlich durchgeführt werden, «echtes Teilen».

«Sharing is caring vs. Sharing is scaring»

«Sharing is caring» ist ein altes, schönes Motto in der englischen Sprache. Potenzielle Negativentwicklungen, die der Sharing Economy zugeschrieben werden, lassen dieses Motto umformulieren in «Sharing is scaring». Neben den oben genannten Phänomenen werden dazu folgende Tendenzen gezählt: Sharing-Angebote müssen sich nicht an bestimmte Regeln und Vorschriften halten, anders als etablierte Konkurrenzangebote (z.B. Hygienevorschriften im Gastgewerbe). Zudem werden teilweise Arbeitsplätze in Gefahr gesehen (siehe unten).

«Sharing Economy ist ökologisch sinnvoll»

Gerne wird argumentiert, dass Sharing dazu führt, dass weniger Ressourcen verbraucht werden. Wenn ich an Carsharing teilnehme und kein eigenes Auto benötige, spare ich Ressourcen. Wenn ich allerdings das – zudem – eingesparte Geld beispielsweise für Fernreisen ausgebe, verhalte ich mich an anderer Stelle umweltschädigend.

«Sharing Economy nutzt vor allem Wohlhabenden»

Ein Kritikpunkt an der Sharing Economy ist jener, dass sie gerade Wohlhabenden hilft und daher die Wohlstandsspanne noch eher vergrössert. Nur diejenigen, die Eigentum haben, können mit anderen teilen (und dafür Geld erhalten).

«Sharing Economy ist schlecht für die Wirtschaft»

Sharing kann etablierten Wirtschafszweigen schaden. Aufgrund des Erfolgs von AirBnB und Uber sind die Übernachtungsbranche und die Taxizunft in Aufruhr. Dabei ist es offensichtlich, dass Sharing in diesen Branchen gerade erfolgreich ist, da dort den Konsumenten offenbar ein Mehrwert zu bestehenden Angeboten geliefert wird. Sharing kann, wenn richtig genutzt der Wirtschaft auch nutzen. Beispielsweise können durch Sharing-Ansätze neue Zielgruppen erschlossen werden (z.B. Carsharingangebote von Autoherstellern). Sharing kann ein Innovationsmotor sein, indem Ideen-Sharing betrieben wird. Und Sharing kann dazu führen, dass ein höherer Absatz an hochwertigen Produkten erreicht wird, die von mehreren gemeinsam konsumiert werden.

Die Wahrheit liegt wie so oft irgendwo dazwischen. Mit Sicherheit ist es so, dass diejenigen, die Sharing (Economy) organisieren die «Art» der Sharing Economy beeinflussen. Je nachdem, ob Sharing Economy durch kapitalmarktabhängige Startups, soziale Organisationen oder öffentliche Institutionen, wie Städte, organisiert wird, werden unterschiedliche Ergebnisse der Sharing Economy generiert werden.


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