Digitale Revolution: Was bedeutet das?

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Über den Autor/ die Autorin

Andreas Brandenberg

Prof. Dr. Andreas Brandenberg ist Leiter des Instituts für Kommunikation und Marketing IKM und des Masters (MSc) in Applied Information and Data Science.

Die Bezeichnungen rund um die Digitalisierung sind vielfältig, so wie die Fragen, die sich daraus ergeben. Hier lesen Sie, worin dich die Digitalisierung von der digitalen Revolution unterscheidet und was moderne Technologien für den Arbeitsmarkt (nicht) bedeuten.

Was unterscheidet die «Digitalisierung» von der «digitalen Revolution» und wo beginnt die «Industrie 4.0.»?

Digitalisierung bedeutet zunächst einmal nur, dass analoge Informationen so abgelegt sind, dass sie von Computern gelesen und verarbeitet werden können. Analoge Informationen können die Inhalte von Texten, Bildern, Videos, Gesprächen sein, Sensorinformationen wie Wärme, Druck, Helligkeit, Geschwindigkeit oder Informationen, die bei Prozessen abfallen.

Mit digitaler Revolution sind viele verschiedene Aspekte gemeint – etwa, dass immer mehr Aspekte unserer Lebens- und Arbeitswelt irgendwo als Daten abgelegt sind; oder, dass immer mehr Dinge mit Sensoren ausgestattet sind, die ihnen erlauben, ihre Umwelt wahrzunehmen und darauf zu reagieren; oder, dass Dinge immer häufiger direkt mit anderen Dingen kommunizieren.

Dadurch bilden sich Netzwerke, an denen Menschen gar nicht mehr beteiligt sind. Die Industrie 4.0 nutzt alle diese Effekte um Produktionsprozesse zu automatisieren.

Werden die neuen Technologien dazu führen, dass in 20 Jahren rund die Hälfte der Jobs von Computern übernommen werden – am stärksten betroffen Sekretariats- und Schalterpersonal?

Die Digitalisierung verändert die Arbeitswelt dramatisch und führt zweifellos zu einer Automatisierung von Tätigkeiten und diese zu veränderten Qualifikationsanforderungen an Menschen. Dies bedeutet aber nicht zum vornherein, dass Arbeitsplätze verloren gehen. Es wird vielleicht weniger Sekretariats- und Schalterpersonal geben. Dafür entstehen Stellen in der Beratung von Kunden über Chats, Video-Kommunikation usw. Meine Beobachtung ist, dass sich viele Tätigkeiten verändern und verlagern. Es gibt Tätigkeiten, die verschwinden. Dafür entstehen neue Tätigkeiten in anderen Bereichen.

Viele gehen davon aus, dass vor allem repetitive, weniger anspruchsvolle Aufgaben von der Automatisierung betroffen sind. Es gibt aber immer mehr Hinweise, dass die Tätigkeiten von Menschen in hochqualifizierten Berufen automatisiert werden.

Was sich aber sicher verändern wird, ist das traditionelle Beschäftigungsverhältnis. In Zukunft werden mehr Menschen in eher auftragsbezogenen Arbeitsverhältnissen, vielleicht sogar in einer Quasi- oder echten Selbständigkeit unterwegs sein. Diese Arbeitsverhältnisse werden prekärer sein, d.h. etliche Garantien nicht mehr bieten, die im traditionellen Angestelltenverhältnis noch selbstverständlich waren.

Aus Studien geht hervor, dass der Arbeitsmarkt härter und solidarischer wird. Gleichzeitig entstehen neue Beschäftigungsmöglichkeiten in der sich langsamer drehenden Welt.

Ich glaube tatsächlich, dass es eine zunehmende Zweiteilung zwischen einem hochkompetitiven, hochtechnologischen, international ausgerichteten Wirtschaftsbereich und einem eher lokalen, sich an den Bedürfnissen der Menschen vor Ort orientierenden Wirtschaftsbereich gibt.

Wird es durch die steigenden Anforderungen härter werden in der Elite mitzuhalten?

Einer der ganz grossen Errungenschaften der neuen Technologien ist die Tatsache, dass der Zugang zum lebenslangen Lernen über Computer, Internet, Software, Apps und Mobiltelefonen für alle massiv erleichtert wird. Wir werden neue Formen der berufsbegleitenden Qualifizierung sehen. Ganz generell werden Qualifizierung und berufliche Tätigkeit immer enger verschmelzen. Ein Teil der Qualifikation wird uns durch Expertensysteme abgenommen.


Quelle

Dieser Beitrag orientiert sich am Interview vom 12. Dezember 2016 mit der Vereinigung Cerebral Schweiz: «Das Potenzial der Technologie wird uns näher zusammenbringen», Vereinigung Cerebral Schweiz, Magazin 04 2016, 10-11.

Weitere Beiträge zum Thema

«Was macht die Digitalisierung mit Unternehmen? – Eine Erklärung und die 6 wichtigsten Trends», 8. November 2016, IKM-Blog.

«Datenverarbeitung-und-Gesellschaft-SSV Datenverarbeitung und die Gesellschaft – Big Data stärkt und schwächt Solidargemeinschaften», 19. Januar 2017, IKM-Blog.


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