Bringt die Digitalisierung das Ende des Kapitalismus?

0
Teilen.

Über den Autor/ die Autorin

Branko Nastic

Als Online Marketing Verantwortlicher kümmert Branko sich um die strategische Planung und Umsetzung der Onlinewerbung sowie um das Community Management für sämtliche Kinofilme von Warner Bros. und 20th Century Fox Schweiz.

Gibt man bei Google den Suchbegriff „Ist der Kapitalismus am Ende?“ ein, liefert der Suchgigant innert 0.38 Sekunden 499’000 Ergebnisse. Es fällt nicht nur auf, dass die Schlagzeilen, Header und Vorschautexte im Zusammenhang mit dem Begriff Kapitalismus mehr Fragen aufwerfen, als sie Antworten geben, sondern man auch schnell auf einen Namen trifft, welcher bei Themen wie der Entwicklung des Kapitalismus oft zitiert wird. Die Rede ist von Jeremy Rifkin. Als US-Ökonom, Erfolgsautor, Soziologe und Regierungsberater vertritt er eine klare Meinung, wenn es um die Entwicklung des kapitalistischen Markts geht.

«Der neue Konkurrent des Kapitalismus heißt Kollektivismus: eine Wirtschaft, die aufs Teilen ausgelegt ist – die ‹Sharing Economy›.»
Jeremy Rifkin

Die Sharing Economy dominiert die kapitalistische Marktwirtschaft

Seit Jahrzehnten setzt sich Rifkin mit der Frage auseinander, wie unsere Zukunft wohl aussehen wird. Gemäss seiner Aussage werden wir aktuell Zeuge, wie nach dem Sozialismus im frühen 19. Jahrhundert und dem Kapitalismus zum ersten Mal ein neues Wirtschaftssystem entsteht. Er ist überzeugt, dass bis zum Jahr 2050 der kapitalistische Markt zwar noch existieren wird, es danach jedoch in ein duales System geben wird, in welchem der Kapitalismus durch die Sharing Economy dominiert wird.

«Wird die Produktion von Gütern immer günstiger und ihr Besitz immer unwichtiger, hat der Kapitalismus alter Prägung ausgedient.»
Jeremy Rifkin

Die Digitalisierung und Vernetzung sorgen nicht nur für die Automatisierung der Produktion von vielen Gütern und Dienstleistungen (und macht sie somit massiv günstiger), sie ändert auch unsere Denkweise und Gesellschaftswerte. Nähern sich zudem die Grenzkosten für deren Produktion immer näher dem Nullpunkt, fehlt die Basis für die Preisgestaltung. Dies führt schlussendlich dazu, dass sich der kapitalistische Markt zurückzieht. Folglich werden wir uns neu organisieren und zusammenarbeiten müssen. Besitz und Wissen wird plötzlich geteilt.

Technologie als Treiber von neuen Geschäftsmodellen

Neue Player wie Uber, Whatsapp oder Airbnb haben die Spielregeln bereits geändert. Dennoch glaubt Rifkin, dass auch solche Unternehmen bald von der Gemeinschaft, welche ihre eigenen Modelle aufstellt, abgelöst werden. Denn was hält zum Beispiel die Nutzer von Uber davon ab, die verfügbare Technologie zu nutzen, um im eigenen Umkreis eine Kooperative zu gründen oder eine eigene Seite aufzubauen? Denn ist die Gemeinschaft einmal entstanden, sind die neuen Werte und Einstellungen gegenüber dem Handel von Gütern etabliert, braucht es gemäss Rifkin diejenigen, welche diesen Markt ursprünglich entworfen haben, nicht mehr.

Visionär oder Utopist?

Jeremy Rifkin mag mit seinen provokanten Thesen bei manchen Experten für Kopfschütteln sorgen. Nicht selten wird er als naiv, realitätsfremd oder gar als Utopist bezeichnet. Er wird jedoch auch von vielen Ökonomen und Regierungschefs wie Angela Merkel oder dem chinesischen Premier Li Keqiang unterstützt und regelmässig als Berater eingeladen. So umstritten seine Theorien auch sein mögen, bin ich der Meinung, dass er viele wichtigen Aspekte und sicherlich die richtigen Kategorien anspricht. Über deren Interpretation lässt sich streiten, nicht jedoch darüber, dass die Sharing Economy bereits Teil unseres Lebens ist, dies konnten/können wir bereits in den verschiedensten Industriesektoren beobachten:

  • Musikindustrie: Millionen User bauten eine eigene Software, um ihre Musik via Anbieter wie Napster untereinander zu teilen.
  • Filmindustrie: Millionen User/Prosumer teilen ihre Videos, ohne Berücksichtigung von Copyrights.
  • Nachrichtenindustrie: Die junge Generation teilt ihre eigenen Inhalte via Blogs, Foren und Wikipedia. Die Kommunikations- und Medienindustrie ist im Umbruch und scheint ihre klare Richtung noch nicht gefunden zu haben.
  • Energie: Bereits heute wird in Deutschland und Skandinavien der Strom von vielen kleinen Genossenschaften, Kooperativen oder sogar Einzelpersonen geliefert. Bei den entstandenen Commons haben nun plötzlich die Anwohner der einzelnen Gemeinden das Sagen. Die Konsumenten transformieren sich zu Prosumenten und erzeugen bereits ihren eigenen Strom.

Dies sind nur ein paar wenige Beispiele, welche die Ausprägungen der Sharing Economy darstellen. Für mich steht fest: Das Wirtschaftssystem, wie wir es heute kennen, wird sich verändern. Was denkst du?

«Unsere Grosskinder könnten in 50 Jahren mit der gleichen Abscheu auf das 20. Jahrhundert zurückblicken wie wir auf Sklaverei. Unsere Grosseltern verbrachten ihr ganzes Leben an Werkplätzen und in Fabriken, ohne ihr Gehirn gross anzustrengen, gedankenlos um Dinge herzustellen: Was für ein Verlust an menschlichen Werten!»
Jeremy Rifkin

Quellen


Kommentar hinterlassen