Wie finde ich das für mich passende Weiterbildungsangebot?

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Über den Autor/ die Autorin

Michael Boenigk

Michael Boenigk leitet das Competence Center Unternehmenskommunikation am Institut für Kommunikation und Marketing IKM und ist Koordinator der Weiterbildungen des Institutes.

Wer heute im Marketing- und Kommunikationsbereich Verantwortung trägt, steht vor vielfältigen Herausforderungen. Gefordert sind u.a. der Aufbau eines Content-Marketing, crossmedial vernetzte Kampagnen und ein Corporate Social Responsibility Management. Bestehende Strategien sind anzupassen, Mediapläne neu zu konzipieren und Organisationsstrukturen zu hinterfragen. Dies alles geht nicht ohne eine entsprechende Entwicklung der eigenen Kompetenzen.

Eine Option ist, sich das erforderliche Know-how on the Job, zum Beispiel in der Zusammenarbeit im Team sowie mit Beratungen oder Agenturen, eventuell unterstützt durch die Lektüre von Fachliteratur, selber anzueignen. Oder es ist zu prüfen, ob der Besuch einer Weiterbildung das Richtige ist. Eine Weiterbildung bietet die Chance, neben den fachlichen Kompetenzen auch die persönlichen Kompetenzen ausbauen, das eigene Netzwerk zu erweitern und seine Karriereoptionen zu verbessern. Geeignet ist eine Weiterbildung für all diejenigen, die Freude daran haben, in der Gruppe Neues zu lernen und sich mit anderen auszutauschen. Nicht zu unterschätzen ist jedoch der zeitliche Aufwand, den der Besuch einer Weiterbildung mit sich bringt. Insofern ist vorab eine sorgfältige Planung notwendig.

Zentrale Fragestellungen rund um die Weiterbildung

  • 1. In welchem Bereich möchte ich mich weiterbilden?
  • 2. Welchen Abschluss sollte ich anstreben?
  • 3. Wer ist der richtige Anbieter?
  • 4. Was muss ich vor dem Start der Weiterbildung alles klären?

Die Planung sollte mit der Frage starten, in welchem Bereich eine Weiterbildung zweckmässig ist. Die ist abhängig von den eigenen beruflichen Perspektiven und Karrierezielen. Lautet das Ziel beispielsweise, in die Geschäftsleitung aufzusteigen und es fehlt einem noch das betriebswirtschaftliche Rüstzeug, sind zum Beispiel ein Master of Business Administration (MBA) oder ein Master of Advanced Studies (MAS) in Unternehmensführung sinnvoll.

Liegt der Fokus im Marketing oder in der Kommunikation, ist es am zweckmässigsten, eine Weiterbildung zu wählen, die bestehende Wissenslücken schliesst und so die Möglichkeit bietet, das eigene Arbeitsspektrum zu erweitern. Alternativ kann auch bestehendes Know-how theoretisch fundiert und aufgefrischt werden. Modular aufgebaute Weiterbildungen bieten die Möglichkeit, beide Strategien zu kombinieren.

Bedürfnisse der Studierenden gegenüber einer Weiterbildung.

Bedürfnisse der Studierenden gegenüber einer Weiterbildung.

Ist die Entscheidung hinsichtlich der thematischen Ausrichtung der Weiterbildung gefallen, stellt sich die Frage nach dem geeigneten Abschluss. Die Schweiz bietet ein ausgezeichnetes System verschiedener Weiterbildungsformen auf unterschiedlichen Niveaustufen. So besteht in der formalen Bildung die Möglichkeit der Absolvierung von Berufsprüfungen (etwa Marketingfachmann/frau, Kommunikationsplaner/in mit eidg. Fachausweis), von höheren Fachprüfungen (etwa eidg. Dipl. Marketingleiter/in, Dipl. Kommunikationsleiter/in) oder von höheren Fachschulen (wie etwa Dipl. Marketingmanager/in HF). Die Hochschulen bieten vor allem Zertifikatsprogramme (CAS) sowie Master of Advanced Studies (MAS) und Master of Business Administration (MBA, eMBA).

Welcher Abschluss am besten passt, hängt vor allem von der Vorbildung und der beruflichen Position sowie den Perspektiven und dem Alter ab. Die Angebote der Hochschulen wählen meist eher Personen, die bereits über einen Hochschulabschluss oder eine andere höhere Weiterbildung verfügen, eine mehrjährige Berufserfahrung haben und Kaderfunktionen bekleiden oder anstreben. Besteht hinsichtlich der Frage des geeigneten Abschlusses Unsicherheit, ist die Personalabteilung des eigenen Unternehmens ein guter Ansprechpartner. Zusätzlich kann man sich auch direkt bei einem ausgewählten Weiterbildungsanbieter beraten lassen. Für eine umfassendere Karriereberatung bieten sich Gespräche mit Laufbahnberatern an.

«Teilweise unterschätzen Studierende die zeitliche Belastung.»

Die Wahl des Abschlusses beeinflusst die Wahl des geeigneten Anbieters. Trotzdem ist es nicht leicht, sich zwischen der grossen Zahl alternativer Anbieter zu orientieren und deren Angebote miteinander zu vergleichen. In jedem Fall ist es zweckmässig, infrage kommende Anbieter vor Ort – etwa im Rahmen von Informationsveranstaltungen – zu besuchen und sich einen persönlichen Eindruck von den Angeboten sowie den verantwortlichen Personen zu verschaffen. So bekommt
man neben den Fakten auch ein Bauchgefühl, ob man sich in der Weiterbildung wohlfühlen würde. Empfehlenswert sind ausserdem ein Besuch von Probelektionen in laufenden Kursen und Gespräche mit aktuellen oder ehemaligen Studierenden. Sinnvoll ist zudem, offene Fragen sowie die Wahl der Inhalte mit den Programmverantwortlichen in einem Beratungsgespräch direkt zu klären.

Das Schaubild zeigt im Überblick, was Studierende von einer Weiterbildung erwarten und gibt gleichzeitig erste Anhaltspunkte für einen Vergleich der verschiedenen Anbieter. Die Ergebnisse basieren auf einer internen Studie des Instituts für Kommunikation und Marketing IKM der Hochschule Luzern – Wirtschaft.

Checkliste zur Wahl des richtigen Anbieters

  • 1. Reputation: Ruf des Anbieters und Image des Abschlusses?
  • 2. Erfahrung: Zeitraum des Angebotes von Weiterbildungen?
  • 3. Qualitätsanspruch: Zahl der Präsenzlektionen, Leistungsanforderungen, Qualität der Mitstudierenden, Zuverlässigkeit der Prozesse?
  • 4. Inhalte: Breite, Flexibilität, Praxisorientierung und Fundierung der Inhalte?
  • 5. Verantwortliche und Dozierende: Qualifikation der Verantwortlichen und Dozierenden?
  • 6. Kosten: Preise einschliesslich Nebenkosten?
  • 7. Betreuung: Beratungskompetenz, wertschätzender Umgang und Eingehen auf Anliegen?
  • 8. Vereinbarkeit mit dem Beruf: Zeitlicher Aufwand, Unterrichtstage und -zeiten?
  • 9. Standort: Erreichbarkeit und Ausstattung des Gebäudes?
  • 10. Vernetzung: Möglichkeit der Kontaktpflege über ein Alumni-Netzwerk?

Steht der Anbieter fest, sind vor dem Start noch weitere Dinge zu klären. Ein wesentlicher Aspekt ist die Finanzierung. Diesbezüglich ist mit dem Arbeitgeber zu klären, ob die Möglichkeit einer Mitfinanzierung besteht. Dies ist möglichst frühzeitig mit dem Arbeitgeber zu klären, da eine Mitfinanzierung vielfach auch von der inhaltlichen Ausrichtung der Weiterbildung abhängt. Darüber hinaus ist zu prüfen, ob die zeitliche Belastung der Weiterbildung mit den beruflichen Aufgaben und privaten Verpflichtungen vereinbar ist. Teilweise unterschätzen Studierende die mit einer Weiterbildung verbundene zeitliche Belastung. Daher ist frühzeitig mit dem Arbeitgeber abzusprechen, ob ein zeitliches Entgegenkommen möglich ist, etwa durch eine Freistellung für einen halben Tag pro Woche.

«… eine tolle und nutzbringende Zeit.»

Je nach Art und Umfang der Weiterbildung ist darüber hinaus eine Reduktion des Arbeitspensums zu prüfen. Wesentlich ist auch eine Unterstützung seitens der Familie, vor allem zu Zeitpunkten grösserer zeitlicher Belastung, wie bei der Erstellung einer Masterarbeit.

Wenn man eine Weiterbildung gut plant und engagiert angeht, ist es eine tolle und nutzbringende Zeit, in der man viele neue Menschen mit ähnlichen Zielen und Interessen kennenlernt, sein berufliches und persönliches Netzwerk erweitert und die Weichen für den nächsten Karriereschritt stellt.

Quelle: Boenigk, Michael: «Wie finde ich das für mich passende Weiterbildungsangebot?», in: Schweizer Jahrbuch Marketing


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