Intranets – Fluch und Segen zugleich

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Über den Autor/ die Autorin

Antonia Steigerwald

Antonia Steigerwald ist Wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Kommunikation und Marketing IKM.

Zum Thema «Intranets in der Schweiz» findet am 17.09.2015 ein IKM Update statt. Der Referent Daniel Lütolf hat vorab der Neuen Luzerner Zeitung schon einige Fragen beantwortet. Mit freundlicher Genehmigung der Neuen Luzerner Zeitung können Sie hier das vollständige Interview lesen.

Das Intranet – die verkannte Macht

Quelle: «Das Intranet – die verkannte Macht», in: Neuen Luzerner Zeitung, vom 11.09.2015.

LUETOLF_DanielDaniel Lütolf, Online-Stratege, Buchautor und Intranet-Pionier, versteht das Intranet als Fluch und Segen  zugleich. Segen für Unternehmen, die das Intranet optimal nutzen, Fluch für alle anderen.

Luzerner Zeitung: Daniel Lütolf, Sie haben mit der PR-Beraterin Stefanie Meier und dem Intranet-Spezialisten Stephan Schillerwein das Buch «Herausforderung Intranet» publiziert. Was waren die Beweg-gründe für dieses Buchprojekt?

Daniel Lütolf: Wir stellten fest, dass auch heute noch grosse Missverständnisse und Halbwissen in Bezug zur internen Kommunikation – insbesondere bei Intranet-Projekten – vorhanden sind. Mit diesem Buchprojekt versuchten wir den Graben zwischen IT-, Personal- sowie Kommunikationsabteilungen weit möglichst zu schliessen und das gegenseitige Verständnis zu schärfen. Intranets sollen Arbeitsprozesse und interne Kommunikation effizienter und effektiver gestalten – und dies ist selten eine Frage der Technologie. Entscheidend sind kulturelle Fragen wie beispielsweise «Wollen wir als Firma eine offene, transparente Diskussionskultur über alle Hierarchiestufen pflegen?».

Intranet_Interview Daniel Luetolf

Quelle: Neue Luzerner Zeitung, 11.09.2015, Seite 17.

Luzerner Zeitung: Studien belegen, dass sich der wirtschaftliche Verlust, der durch zeitraubende Meetings und einer riesigen E-Mail-Flut entsteht, auf Millionenhöhe beläuft. Wie können Intranet-Lösungen dagegen helfen?

Daniel Lütolf: Die Technologie spielt bei solchen Problemen nur eine untergeordnete Rolle. Worum es wirklich geht, ist eine Veränderung der Arbeitsweisen. Dazu muss man sich überlegen, wie wir im Unternehmen in Zukunft gewisse Tätigkeiten wie zum Beispiel die Verteilung von Informationen oder das Treffen von Entscheidungen in optimierter Art und Weise durchführen können. Dabei stellen wir dann sehr schnell fest, dass Instrumente wie ein fortgeschrittenes Intranet deutlich effizientere Arbeitsweisen ermöglichen können. Gleichzeitig werden die Mitarbeiter sensibilisiert und motiviert, ihre Arbeits- und Verhaltensweisen zu ändern. Ein Unfug sind beispielsweise die unzähligen CC-Mails. Diese gehören verboten!

Luzerner Zeitung: Welchen Einfluss hat die Unternehmenskultur auf das Wissensmanagement, die interne Kommunikation und die Intranet-Lösung?

Daniel Lütolf: Die Unternehmenskultur ist ein entscheidender Erfolgsfaktor, vor allem für Intranets, die auf Zusammenarbeit und Wissensaustausch ausgelegt sind. All das, was man durch eine Intranet-Lösung erreichen möchte, muss zuerst intern verankert sein und vorgelebt werden. Dabei gibt es übrigens ausnahmsweise mal kein Huhn-Ei-Problem. Sollten Mitarbeiter ihr Wissen nicht teilen wollen im Unternehmen – beispielsweise zum Selbstschutz – kann auch das beste Intranet nichts dagegen unternehmen. Es stellt sich also nicht die Frage, erst die Kultur oder erst das Intranet. Beides muss Hand in Hand gehen.

Luzerner Zeitung:Social Intranets à la Facebook sind aktuell wichtige Kernthemen für die interne Kommunikation. Wie sieht das Intranet der Zukunft aus?

Daniel Lütolf: Es gibt Unternehmen, die wollen ein soziales Intranet analog Facebook, haben aber intern Facebook gesperrt, da das Management der Meinung ist, dass Facebook nicht wichtig sei und es mit der Arbeit nichts zu tun habe … In solchen Unternehmen wird ein soziales Intranet per se scheitern. Hier ist ein Umdenken im Management gefordert.

Luzerner Zeitung: Jedes Jahr kürt die Nielsen Norman Group die weltbesten Intranets. Auch in diesem Jahr ist wieder kein Intranet aus dem deutschsprachigen Raum in den Top Ten. Leben wir in Intranet-Entwicklungsländern?

Startseite Intranet der Luzerner Kantonalbank.

Startseite Intranet der Luzerner Kantonalbank.

Daniel Lütolf: In den letzten Jahren waren auch Intranets aus dem deutschsprachigen Raum unter den Top Ten dieses Awards wie beispielsweise das Intranet der Luzerner Kantonalbank. Grundsätzlich ist die Award-Kultur im deutschsprachigen Raum nicht zuletzt aufgrund des hohen Aufwands (finanziell und personell) allerdings nicht so stark ausgeprägt wie in den englischsprachigen Ländern. Ein paar Top-Intranets sagen zudem nichts über den landesweiten Zustand in den Unternehmen generell aus. Da kann man sicher von einem weltweiten Entwicklungsbedarf sprechen. Auch in den deutschsprachigen Ländern gibt es hervorragende Intranets, die locker mit den Award-Preisträgern mithalten können. Um die 80 Prozent aller Intranets fristen hingegen noch ein Dasein in der ersten Intranet-Generation, denen in den allermeisten Fällen kein nachhaltiger Erfolg beschert ist.

Mehr Informationen zum Thema, zum IKM Update und zur Anmeldung finden Sie hier: hslu.ch/ikm-update


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