Content Marketing und das digitale Zeitalter: Wohin führt uns das?

0
Teilen.

Über den Autor/ die Autorin

Avatar
Bereits in den 90er Jahren sprachen alle von Reizüberflutung und „information overflow“, wie das nachstehende Beispiel von Lucky Strike 1997 es plakativ auf den Punkt bringt. Dabei war doch früher alles einfacher als heute, steckte doch das Internet noch in den Kinderschuhen und Marketer konnten sich auf Push- sowie Massenkommunikation beschränken. Brand Content? Eine kaum wahrgenommene Nische. Was ist passiert? Und wohin führt uns das digitale Zeitalter? Conrad Fritzsch, Gründer und Geschäftsführer von TapeTV und Lars Lehne, Country Director Agency von Google Deutschland, haben Antworten. Täglich sind Sie mehr als 1213 Werbebotschaften ausgesetzt. Für heute haben Sie ihr Soll erfüllt. Lucky Strike Plakat-Werbung 1997

Wie sieht die Situation 2015 aus?

In den letzten 10 Jahren haben wir eine wahrhafte Revolution und Demokratisierung von Kommunikation und Content erlebt. Wir leben in einer Gesellschaft, in der praktisch jeder zum Editor wird. Das Recht auf freie Meinungsäusserung hat heute vollkommen neue Dimensionen angenommen – auch dank der immer schneller fortschreitenden Technologie, die es ermöglicht, dass beispielsweise 14-Jährige mit der Laptopkamera eine Schminkserie drehen, einfach auf Youtube uploaden und damit ein Millionenpublikum erreichen können. Wo früher die Produktionskosten der limitierende Faktor waren, ist dies heute die Aufmerksamkeit des Publikums.

Was bedeutet das für die Entwicklung des Contents?

Das Angebot an verfügbarem Content steigt rasant und unablässig. In Sekundenschnelle kann jedermann Content wie Videos, Fotos, Beiträge etc. online uploaden und global zur Verfügung stellen. Der Homo Connecticus ist geboren und läutet eine neue Ära ein: Er/Sie will sich einbringen, kommentieren, lesen, teilen, liken, uploaden und so weiter. Dabei werden selbstverständlich mehrere, vor allem mobile Endgeräte verwendet. Die beeindruckende Entwicklung zeigt ein Vergleich der Aufnahmen kurz nach der Papstwahl 2005 und 2013. Wir alle kennen die Aufnahmen, die eine drastische Vermehrung von mobilen Geräten über die acht Jahre aufzeigt. Marken und Konsumenten befinden sich in einem fortlaufenden Informationsfluss, der sich sekündlich verändert und der nie vergisst.
  • Youtube erreicht monatlich eine Milliarde Unique Visitors in über 30 Ländern (2013, Search Marketing). 300 Stunden neuer Content wird pro Minute hochgeladen. (Quelle: Youtube)
  • 1‘100 Tweets werden pro Sekunde abgesetzt, das entspricht ca. 95 Millionen Tweets pro Tag. (Quelle: Globometer)

Was bedeutet das für Marketers von heute?

Content entsteht heute auf jede erdenkliche Weise: gepusht, initiiert, unfreiwillig oder ungewollt. Sprich: Marketers sehen, lesen und hören jederzeit, was über die Marke geschrieben, geposted oder getwittert wird. Sie können sich nicht mehr in ihrem Elfenbeinturm einschliessen und sich dem Kontakt des Gegenübers entziehen. Konsumenten äussern sich ungefragt, tauschen sich aus und fordern die Marke auf zu klären, zu schlichten oder mehr zu geben. Implizit fordern sie: „Unterhalte mich! Befriedige meine Bedürfnisse!“. Die Marke ist heute ein ständiger Begleiter und Freund, auf den man sich verlassen kann. Nie war das Marketing näher am Kunden, was gleichzeitig auch Mut, Geduld und manchmal ein dickes Fell erfordert. Der permanente Austausch zwischen Unternehmen und Usern ist „gekommen, um zu bleiben“. Die Landschaft des Entstehens, Sendens und Konsumierens von Content hat sich hin zu unendlich vielen, jederzeit verfügbaren Angeboten und grösseren, gezielt ansprechbaren Zielgruppen entwickelt. Die Herausforderung? Oft lauert nur einen Milimeter von meiner Botschaft/meinem Content entfernt die nächstbeste Ablenkung und Attraktion. Deshalb braucht es attraktiven Content, der den Usern im richtigen Moment zur Verfügung gestellt wird, um dann millionenfach verbreitet, geteilt und kommentiert zu werden. Angesichts der Vielzahl der Content-Angebote und Kanäle im Netz stehen Marketers vor einer besonderen Hürde: Es fehlt eine Programmübersicht. Schlimmer noch: Viele Konsumenten wissen nicht einmal, was sie suchen! Wie können wir diese Hürde meistern? Die Frage beantworten, bevor sie gestellt wird, Unterhaltungs- und Interaktionsbedürfnisse befriedigen, bevor sich der User dessen bewusst ist!

Wie sieht die Zukunft des Publishings aus? Content is King. Package is God. – Sieg der intelligenten Sendelogik!

Zukünftig geht es nicht mehr um Suchen, sondern um Content, der den User findet. Das perfekte Entertainment-Package muss so geschnürt sein, dass es dem User automatisch in jeder Situation das perfekte Angebot macht. Was zählt und über den Erfolg von Content entscheidet, ist die intelligente Sendelogik, also Content, der den Konsumenten automatisch im richtigen Moment „pusht“. In Bezug auf Content bedeutet dies: eine limitierte Auswahl, ohne zu beschränken. Im Offline-Leben bereits seit Jahrhunderten bekannt unter „gutem Service“. Was offline geschätzt wird, wird im Netz von Usern oft als finanzielles Interesse der Marke interpretiert – das Vertrauen fehlt, weil es online nicht „menschelt“. Die Lösung? Gebt dem Service ein Gesicht, gebt dem User die Sicherheit, dass das Wissen über die Vorlieben niemals missbraucht wird und nutzt soziale Netzwerke, die vertraute Gesichter aus dem realen Leben in die digitale Welt holen. Für ein gelungenes Content Marketing müssen sich Content-Anbieter langsam Vertrauen durch Qualität und Zuverlässigkeit verdienen. Dann profitieren beide Seiten: Die User bekommen wertvolle Inhalte, die er sonst nie gefunden hätte und das Unternehmen/die Marke aufmerksame und begeisterte Kunden.

Vielen Dank Herr Fritzsch und Herr Lehne für den interessanten Ausblick …

… der eine nicht ganz einfache Herausforderung für Marketer darstellt. Wie können wir sicherstellen, dass wir zum richtigen Zeitpunkt den relevanten Content für den einzelnen User zur Verfügung stellen? Aus meiner Sicht ist dies eine grosse Baustelle, wenn ich beispielsweise die mich immer verfolgenden online Banner sehe, die mir Reisen anbieten, ich aber schon längst Ferien gebucht habe … Aus Konsumentensicht fände ich es toll, wenn Unternehmen meine Bedürfnisse zum richtigen Zeitpunkt erkennen, mir eine passende Lösung anbieten und ich mich nicht durch tausende Angebote kämpfen muss. Was sind eure Erfahrungen in diesem Zusammenhang? Quelle:
  • Brand Content, Die Marke als Medienereignis (2013), Schäffer-Poeschel Verlag Stuttgart, Andreas Baetzgen & Jörg Tropp (HRSG.). Folge ihnen auf Facebook

Kommentar hinterlassen