Krisenkommunikation: Strategien bei Terrorismus und Cyberattacken

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Über den Autor/ die Autorin

Matthias Albisser

Matthias Albisser ist Senior wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Kommunikation und Marketing IKM.

Unter dem Motto «von realistischen Szenarien lernen» erzählten Expertinnen und Experten aus der Praxis, wie Krisen verhindert und im Ernstfall professionell kommuniziert werden können.

Am Dienstag, 24. Oktober 2017, fand in Luzern die Fachkonferenz zur Krisenkommunikation bei Terro-rismus und Cyberattacken statt. Der gemeinsam von der Lucerne Initiative for Peace and Security LIPS, dem Verband für Krisenkommunikation VKK und der Hochschule Luzern durchgeführte Anlass vereinte 120 Leute aus der Praxis für einem Informations- und Erfahrungsaustausch. Es wurde aktiv diskutiert und Benchmarks gesetzt.

Prävention versus Kundenfreundlichkeit – drei Praxis-Referate

Für die SBB steht die rasche und transparente Kommunikation im Krisenfall im Vordergrund, sagte Christian Ginsig, Mediensprecher der SBB. Damit das gelingt, müssen die Verantwortlichkeiten klar geregelt sein. Neben einer professionellen Vorbereitung sind regelmässige Trainings notwendig. 2017 wurde bei der SBB dazu eine umfassende Krisenübung durchgeführt. Aber auch mit dem Ernstfall kennen sich die SBB aus. 10’000 Medienschaffende griffen auf den SBB-Medienblog zu, als im März in Luzern ein Zug entgleiste. Der kurz davor eingeführte Blog und die aktive Informationsvermittlung hätten sich im Einsatz bestens bewährt, fasste Ginsig zusammen.

Eine handfeste Krise gab es am OpenAir St. Gallen noch nicht. Social Media Monitoring, Strassenblockaden, Eingangskontrollen, Profiling und 1’100 Sicherheitsleute sind aber als Hauptmassnahmen etabliert, um Anschlägen vorzubeugen. Dabei müsse immer abgewogen werden, inwiefern die Massnahmen zielführend, kundenfreundlich oder sogar kontraproduktiv seien, z.B. hinsichtlich einer Evakuierung. 100% Sicherheit gäbe es sowieso nie, meinte Andy Mestka, Geschäftsführer und Sicherheitsverantwortlicher beim OpenAir St.Gallen. Wenn Besucher sich nach dem Festival jedoch beklagen, am Eingang nicht kontrolliert worden zu sein, dann zeuge das von einem veränderten Sicherheitsbewusstsein. Grosses Potenzial im Krisenfall sieht er in Festival-Apps. Vorbereitete Informationen und Push-Benachrichtigungen können den Besuchern im Ernstfall direkt auf ihre Smartphones geschickt werden.

Ursi Ineichen, stv. Leiterin Kommunikation und Mediensprecherin und Raphael Krütli, IT-Security Officer von der Luzerner Kantonalbank legten den Fokus auf Cyberattacken. Vertraulichkeit, Integrität und Verfügbarkeit sind die zentralen Schutzziele bei IT-Systemen. Das grösste Risiko ginge dabei von fähigen Angreifern mit grossen Ressourcen und einem klaren Ziel aus. Solch koordinierte Angriffe seien aber relativ selten – auch dank aktiver Prävention. Die Luzerner Kantonalbank setzt dazu auf erprobte Führungssysteme, systematische Analysen (z.B. Monitoring) und eine kohärente Kommunikation im Ernstfall.

Herausforderungen für die Schweiz

In seiner Keynote stellte Adolf J. Doerig das Thema Cyberattacken im sicherheitspolitischen Kontext vor. Doerig gehört dem Cyber Defence Beirat an, der das VBS dabei unterstützt, die Interessen der Schweiz im Cyber-Raum zu verteidigen. Gerade im Zeitalter globaler Datenflüsse und dezentraler Systeme gelte es die Schweizer Souveränität zu sichern und externe Einflussnahme zu verhindern. Er sieht aber auch Vorteile: Robotersysteme und Chatbots können im Krisenfall automatisch und sofort erste Massnahmen einleiten und Aktivitäten koordinieren.

Fachkonferenz_Krisenkommunikation

Die Schweiz rüstet sich auf verschiedenen Ebenen für die Herausforderungen rund um Cyberattacken und Terrorismus. In der abschliessenden Podiumsdiskussion zeigte Erich Aschwanden, Journalist bei der Neuen Zürcher Zeitung NZZ, die Bedeutung eigenständiger und unabhängiger Medien für die Meinungsbildung in der Schweiz auf. Die Polizei Zug, so Karl Walker von der Zuger Polizei, habe ein spezialisiertes IT Forensik-Zentrum aufgebaut, so könne sie die Strafverfolgung auch im digitalen Raum gewährleisten. Isidor Baumann, Ständerat des Kantons Uri, nimmt die Politik in die Pflicht. Digitale Entwicklungen müssen themenspezifisch und aktiv vorangetrieben werden, z.B. im Wirtschafts- oder Sicherheitsumfeld. Auf eine einvernehmliche digitale Gesamtstrategie könne die Schweiz nicht warten.

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2 Kommentare

  1. Wie läuft das Monitoring in diesem Fall denn genau ab? Werden hier Begrifflichkeiten beobachtet? Akteure? Nachrichten in bestimmten Regionen? Und wie werden Beiträge aus geschlossenen oder semi-geschlossenen Beiträge betrachtet?

    • Matthias Albisser

      Lieber Herr Rodewald

      Vielen Dank für Ihre Nachricht. Es wurden unterschiedliche Monitoring-Strategien diskutiert. Beim OpenAir St. Gallen spielt u.a. die Zusammenarbeit mit den Behörden eine zentrale Rolle.

      Für das klassische „Issues Management“ sind Medien und Social Media wichtige Quellen. Das politische System bestimmt über neue Regulierungen, Vorgaben und Gesetze und muss entsprechend aufmerksam beobachtet werden. Neben der Identifikation von „Issues“ spielt deren Bewertung eine wichtige Rolle. Ereignisse, die mit hoher Wahrscheinlichkeit eintreffen und grosse Implikationen haben, benötigen besonderes Augenmerk.

      Gerade Cyber-Attacken sind oftmals schwierig zu antizipieren und in ihrem Ausmass abzuschätzen. Umso wichtiger ist Prävention. Neben Sicherheitssystemen werden Due-Diligence-Prüfungen von Partnern, Zulieferern oder Serviceprovidern zu einem zentralen Thema.

      Beste Grüsse,
      Matthias Albisser

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