Black Mirror «Nosedive»: Fiktion oder (bald) Realität?

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Über den Autor/ die Autorin

Chantal Christen

Chantal Christen ist Projektleiterin Online & Digital an der Hochschule Luzern.

Die Science-Fiction Serie Black Mirror spielt in einer technologisch weit entwickelten Zukunft. In bis dato 12 in sich abgeschlossenen Episoden (3 Staffeln) geht es darum, wie Technologie sich auf unterschiedliche Weise auf die Gesellschaft auswirkt. Achtung Spoiler: Meist mit nicht allzu positiven Folgen. Dieser Blogbeitrag widmet sich der 1. Folge der 3. Staffel, die den Namen «Nosedive» oder in der deutschen Übersetzung «Abgestürzt» trägt.

*Quelle: http://ikm-hslu.ch/omm-blog, 31. März 2017.

Worum geht’s?

Die Protagonistin lebt in einer Welt, in der jede Interaktion mit anderen Menschen eine gegenseitige Bewertung auf einer Social-Media-Plattform nach sich zieht. Aus allen Bewertungen resultiert eine Gesamtbewertung, die für jedermann ersichtlich ist.

Quelle: The Bryce Dallas Howard Network, YouTube

Wie wirkt sich ein solches System auf die Gesellschaft aus?

Es klingt zunächst ganz gut. Menschen müssen zueinander freundlich sein, da sie sonst ihr Ansehen verlieren. Statt Bussen werden zusätzlich von offiziellen Stellen temporäre Abzüge in der Gesamtbewertung verteilt, was die Menschen noch mehr dazu veranlasst, sich korrekt zu verhalten.

Doch die Gesamtbewertung wirkt sich nach und nach auch auf alle möglichen Bereiche des Lebens aus; Personen mit besserer Bewertung haben bessere Konditionen beim Hauskauf, werden bevorzugt behandelt, wenn es um das Ergattern eines der letzten Flugtickets geht und so weiter.

Zudem sind Bewertungen von Menschen mit gutem Ansehen erstrebenswerter, als solche von Menschen mit schlechterer Gesamtbewertung. Es geht sogar so weit, dass es sich negativ auf die eigene Bewertung auswirken kann, wenn man «schlechtere» Menschen gut bewertet. Eine Abwärtsspirale ist die unausweichliche Folge davon und ein erneutes Aufsteigen so gut wie unmöglich. Ebenfalls stellt sich die Frage, was unter «korrektem Verhalten» verstanden wird und ob dieses korrekte Verhalten nicht eher «von der öffentlichen Hand erwünschtes Verhalten» genannt werden sollte.

Deutlich wird die Absurdität auch dadurch, dass die Protagonistin nur durch einige dumme Zufälle und nicht etwa durch das Begehen von schlimmen Straftaten in so eine Abwärtsspirale gelangt.

Fiktion oder bald Realität?

Soziale Medien haben auch jetzt schon einen hohen Stellenwert in unserer Gesellschaft. Laut Statista nutzen rund die Hälfte aller in der Schweiz Lebenden regelmässig Social Media Kanäle wie Facebook, Snapchat, Instagram usw. Allerdings hat das Verhalten in Sozialen Netzwerken (noch?) keinen direkten Einfluss auf andere Bereiche des Lebens.

Social Credit Score in China

Anders ist das in China. Die Regierung plant momentan die Einführung eines Credit Scores, der soziale, politische, wirtschaftliche, rechtliche und finanzielle Bereiche vereint. Bereits jetzt sind einige entsprechende Pilotprojekte am Laufen – unter anderem von «Sesame Credit», einer Tochtergesellschaft der Alibaba Gruppe. Bei diesem Credit Score geht es nicht mehr nur darum, ob man seine Rechnungen rechtzeitig bezahlt, sondern es geht darum, ob man ein guter Bürger ist und sich so verhält, wie es die Regierung möchte. Konsequenzen hat der persönliche Credit Score bis jetzt noch keine, doch das wird sich spätestens im Jahr 2020 ändern, wenn dieses System für alle Bürger Pflicht wird.

Quelle: Extra Credits, YouTube

Die Parallelen zur Episode «Nosedive» sind extrem deutlich und es ist beängstigend, dass so etwas tatsächlich in so naher Zukunft Realität werden soll beziehungsweise teilweise bereits jetzt Realität ist. Doch es ist abzuwarten, wie sich das Ganze weiterentwickelt. Die jetzigen User jedenfalls sind noch durchaus positiver Stimmung.

Quellen und weiterführende Links:


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